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11-2016

Alle chemischen Abfälle sind ausgehoben

Rund 202‘000 Tonnen Abfälle, das ist die Bilanz der Aushubarbeiten auf der Sondermülldeponie Bonfol. Nun werden die Hallen geräumt, dekontaminiert und zurückgebaut. Bis Anfang 2019 sollen hier wieder Bäume wachsen.

Man hört ihm seine Zufriedenheit an: Alain Lachat, Baustellendirektor auf der Sondermülldeponie Bonfol, betrachtet die tiefe, leergeräumte Grube. «Wir sind erleichtert und auch stolz, dass wir die Sanierungsarbeiten unter Einhaltung der Qualitäts- und Sicherheitsziele abschliessen konnten.»

Während fünfeinhalb Jahren hoben die bci Betriebs-AG und ihre Sanierungspartner hier Abfälle aus. Seit Frühjahr 2010 haben wöchentlich rund 800 Tonnen Sonderabfälle die Deponie in Richtung Verbrennung verlassen. Lachat rechnet vor: «Das sind insgesamt gut 23‘500 Container à 8,5 Tonnen, die wir auf rund 4‘700 Bahnwaggons entsorgt haben.»

Dass der Abfallaushub zu einem guten Abschluss gelangte, ist keine Selbstverständlichkeit. Gemäss Anton Aeby, bis Ende April 2016 Sicherheitsbeauftragter der bci Betriebs-AG, haben nicht nur die genaue Planung und Definition aller Abläufe, sondern auch die ausgezeichnete Zusammenarbeit der verschiedenen Konsortien und der professionelle Kontakt zu den Behörden dazu beigetragen.

Technisch anspruchsvoll

«Im Grossen und Ganzen ist dieses anspruchsvolle Projekt dank einer klugen und klaren Arbeitsteilung gut gelaufen», bestätigt Baustellendirektor Alain Lachat: «Es ging um weit mehr als nur um das Ausgraben der Sonderabfälle. Ebenso wichtig waren Wartungsaufgaben der Maschinen, die Koordination aller Abläufe und die regelmässigen Analysen der Luft und des Wassers.»

Dass die Sanierung einer solchen Deponie komplex ist, lässt sich anhand der langen Planungs- und Vorbereitungsphase von 2000 bis 2010 erahnen. Die Auswahl der Methode, die Analyse der Risiken sowie die Erarbeitung eines Sanierungs- und Sicherheitskonzepts trugen zu einem optimalen Ablauf bei. Die Expertise der Konsortien Marti-Züblin (Infrastruktur und Abfallaushub) und HIM (Abfallvorbereitung, -transport und -verbrennung) bereicherten die Detailplanung: Mit Ausnahme der Explosion im Jahr 2010 gab es keine besonderen Zwischenfälle. «Die häufigsten Sorgen betrafen Pannen der Geräte, beispielsweise defekte Lötstellen oder elektrische Kontakte», erklärt Alain Lachat: «Reparaturen und Wartungen im Schwarzbereich müssen spezielle Sicherheitsauflagen einhalten, deshalb braucht alles viel mehr Zeit und zusätzliches Spezialwissen.»

Wie anspruchsvoll die Arbeit auf der Deponie war, weiss der Maschinist Thomas Weber, der seit 2011 den Bagger im Schwarzbereich mittels Fernsteuerung bediente: «Wenn ich mit dem Bagger das Aushubmaterial bewegte, so sah ich das nur auf dem Bildschirm. Anders, als wenn man direkt in der Maschine sitzt, fehlten die körperliche Wahrnehmung und das Hören dabei völlig. Das war ein spezielles Arbeiten und verlangte meine volle Aufmerksamkeit.»

Die Abfälle selber stellten die Mitarbeitenden vor weitere Herausforderungen. Werner Kötters, Betriebsleiter von Marti-Züblin, erinnert sich: «Wir trafen ganz unterschiedliche Arten von Abfällen an. Mal waren diese klebrig, mal schlammig und dann wieder trocken. Manchmal entwickelte sich beim Aushub Rauch. Darauf mussten wir mit passenden Massnahmen reagieren.» Die besonderen Bedingungen in der Aushubhalle erforderten zudem regelmässige Unterhaltsarbeiten an den Maschinen und Kontrollen der verschiedenen Sicherheitseinrichtungen. Fast 50 Prozent der Arbeitszeit wurden dafür verwendet. Ein Aufwand, der sich laut Kötters aber gelohnt hat: «Ich bin stolz, dass wir den Aushub nach der Explosion 2010 ohne Unfälle beenden konnten.»

Dekontamination und Rückbau

In der Aushubhalle sind die Bagger nun verstummt. Sukzessive transportiert HIM die mit Abfällen und kontaminiertem Bodenmaterial gefüllten Container ab. Die Halleninnenseiten werden mittels Industriestaubsauger und Hochdruckreiniger dekontaminiert. Die Öffnung der Aushub-, Boden- und der Vorbereitungshalle soll nach und nach erfolgen, wenn die Grenzwerte für eine saubere Luft eingehalten werden.

Bodenanalysen im nördlichen Deponiesaum müssen nachweisen, dass die vorgeschriebenen Sanierungsziele erreicht wurden. Sobald der Kanton Jura bestätigt hat, dass von der ehemaligen Deponie keine Risiken mehr für das Grund- und Oberflächenwasser ausgehen, steht einer teilweisen Wiederverfüllung des Nordteils nichts mehr im Weg. Dann wird die Grube mit anforderungskonformem Bodenmaterial wiederaufgefüllt. Die kontaminierten Sandlinsen im Norden des Deponiesaums bleiben für Untersuchungen zugänglich. Die Demontage der Aushubhalle und der Infrastruktur soll bis etwa Ende 2017 dauern. Dann soll auf den rund 15 Hektaren, die für die Sanierung, für Zufahrten und Bodenlager verwendet wurden, wieder Wald entstehen – und vielleicht ein Projekt des Architekten Mario Botta.

Galerie
Weitere Artikel des Newsletters
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» Arbeiterschutz: «Ich habe noch nie einen so hohen Sicherheitsstandard erlebt.»
» Wettbewerb: Schicken Sie uns Ihr bestes Foto von der Sanierungsbaustelle!
» Messungen, Modelle und eine Sicherheitsmarge
» Der Südteil der Deponie ist teilwiederverfüllt
» Die Wiederaufforstung hat bereits begonnen
» Mit dabei: Maschinenführer bei Marti-Züblin

11-2016

Alle chemischen Abfälle sind ausgehoben

Rund 202‘000 Tonnen Abfälle, das ist die Bilanz der Aushubarbeiten auf der Sondermülldeponie Bonfol. Nun werden die Hallen geräumt, dekontaminiert und zurückgebaut. Bis Anfang 2019 sollen hier wieder Bäume wachsen.

Man hört ihm seine Zufriedenheit an: Alain Lachat, Baustellendirektor auf der Sondermülldeponie Bonfol, betrachtet die tiefe, leergeräumte Grube. «Wir sind erleichtert und auch stolz, dass wir die Sanierungsarbeiten unter Einhaltung der Qualitäts- und Sicherheitsziele abschliessen konnten.»

Während fünfeinhalb Jahren hoben die bci Betriebs-AG und ihre Sanierungspartner hier Abfälle aus. Seit Frühjahr 2010 haben wöchentlich rund 800 Tonnen Sonderabfälle die Deponie in Richtung Verbrennung verlassen. Lachat rechnet vor: «Das sind insgesamt gut 23‘500 Container à 8,5 Tonnen, die wir auf rund 4‘700 Bahnwaggons entsorgt haben.»

Dass der Abfallaushub zu einem guten Abschluss gelangte, ist keine Selbstverständlichkeit. Gemäss Anton Aeby, bis Ende April 2016 Sicherheitsbeauftragter der bci Betriebs-AG, haben nicht nur die genaue Planung und Definition aller Abläufe, sondern auch die ausgezeichnete Zusammenarbeit der verschiedenen Konsortien und der professionelle Kontakt zu den Behörden dazu beigetragen.

Technisch anspruchsvoll

«Im Grossen und Ganzen ist dieses anspruchsvolle Projekt dank einer klugen und klaren Arbeitsteilung gut gelaufen», bestätigt Baustellendirektor Alain Lachat: «Es ging um weit mehr als nur um das Ausgraben der Sonderabfälle. Ebenso wichtig waren Wartungsaufgaben der Maschinen, die Koordination aller Abläufe und die regelmässigen Analysen der Luft und des Wassers.»

Dass die Sanierung einer solchen Deponie komplex ist, lässt sich anhand der langen Planungs- und Vorbereitungsphase von 2000 bis 2010 erahnen. Die Auswahl der Methode, die Analyse der Risiken sowie die Erarbeitung eines Sanierungs- und Sicherheitskonzepts trugen zu einem optimalen Ablauf bei. Die Expertise der Konsortien Marti-Züblin (Infrastruktur und Abfallaushub) und HIM (Abfallvorbereitung, -transport und -verbrennung) bereicherten die Detailplanung: Mit Ausnahme der Explosion im Jahr 2010 gab es keine besonderen Zwischenfälle. «Die häufigsten Sorgen betrafen Pannen der Geräte, beispielsweise defekte Lötstellen oder elektrische Kontakte», erklärt Alain Lachat: «Reparaturen und Wartungen im Schwarzbereich müssen spezielle Sicherheitsauflagen einhalten, deshalb braucht alles viel mehr Zeit und zusätzliches Spezialwissen.»

Wie anspruchsvoll die Arbeit auf der Deponie war, weiss der Maschinist Thomas Weber, der seit 2011 den Bagger im Schwarzbereich mittels Fernsteuerung bediente: «Wenn ich mit dem Bagger das Aushubmaterial bewegte, so sah ich das nur auf dem Bildschirm. Anders, als wenn man direkt in der Maschine sitzt, fehlten die körperliche Wahrnehmung und das Hören dabei völlig. Das war ein spezielles Arbeiten und verlangte meine volle Aufmerksamkeit.»

Die Abfälle selber stellten die Mitarbeitenden vor weitere Herausforderungen. Werner Kötters, Betriebsleiter von Marti-Züblin, erinnert sich: «Wir trafen ganz unterschiedliche Arten von Abfällen an. Mal waren diese klebrig, mal schlammig und dann wieder trocken. Manchmal entwickelte sich beim Aushub Rauch. Darauf mussten wir mit passenden Massnahmen reagieren.» Die besonderen Bedingungen in der Aushubhalle erforderten zudem regelmässige Unterhaltsarbeiten an den Maschinen und Kontrollen der verschiedenen Sicherheitseinrichtungen. Fast 50 Prozent der Arbeitszeit wurden dafür verwendet. Ein Aufwand, der sich laut Kötters aber gelohnt hat: «Ich bin stolz, dass wir den Aushub nach der Explosion 2010 ohne Unfälle beenden konnten.»

Dekontamination und Rückbau

In der Aushubhalle sind die Bagger nun verstummt. Sukzessive transportiert HIM die mit Abfällen und kontaminiertem Bodenmaterial gefüllten Container ab. Die Halleninnenseiten werden mittels Industriestaubsauger und Hochdruckreiniger dekontaminiert. Die Öffnung der Aushub-, Boden- und der Vorbereitungshalle soll nach und nach erfolgen, wenn die Grenzwerte für eine saubere Luft eingehalten werden.

Bodenanalysen im nördlichen Deponiesaum müssen nachweisen, dass die vorgeschriebenen Sanierungsziele erreicht wurden. Sobald der Kanton Jura bestätigt hat, dass von der ehemaligen Deponie keine Risiken mehr für das Grund- und Oberflächenwasser ausgehen, steht einer teilweisen Wiederverfüllung des Nordteils nichts mehr im Weg. Dann wird die Grube mit anforderungskonformem Bodenmaterial wiederaufgefüllt. Die kontaminierten Sandlinsen im Norden des Deponiesaums bleiben für Untersuchungen zugänglich. Die Demontage der Aushubhalle und der Infrastruktur soll bis etwa Ende 2017 dauern. Dann soll auf den rund 15 Hektaren, die für die Sanierung, für Zufahrten und Bodenlager verwendet wurden, wieder Wald entstehen – und vielleicht ein Projekt des Architekten Mario Botta.



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