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05-2011

Umsetzung der zusätzlichen Sicherheitsmassnahmen

Am Nachmittag des 7. Juli 2010 ereignete sich eine lokale Explosion in der Aushubhalle der Deponie Bonfol. Seither ruht der Abfallaushub; die Schäden an Anlagen und Halle wurden behoben. Experten erforschten in der Zwischenzeit die Ursache und ermittelten zusätzliche Massnahmen, um Explosionen zu vermeiden und die Auswirkungen zu begrenzen. Nachdem die Behörden die Vorschläge grundlegend gut geheissen haben, werden die ergänzenden Sicherheitsmassnahmen nun umgesetzt.

Nachdem am 7. Juli 2010 der geplante Aushub der Abfälle mittels des fern¬gesteuerten Kran-Greifer-Systems beendet war, reinigte ein Arbeiter in einem speziell geschütztem Bagger den Deponiesaum. Dabei kam es um 14 Uhr zu einer lokalen Explosion, die in Bonfol und Pfetterhouse deutlich wahrnehmbar war. Der Baggerführer konnte sich aus eigener Kraft aus der Aushubhalle retten. Abgesehen von leichten Schnittwunden am Arm infolge einer geborstenen Seitenscheibe blieb er unverletzt. Vorsorglich wurde er unverzüglich zur ärztlichen Kontrolle ins Spital gefahren.

Die Betriebsmannschaft und die Projektleiter vor Ort erkundeten sofort die Situation. Sie informierten umgehend die Einsatzkräfte über die Explosion sowie darüber, dass in der Folge kein Brand entstanden war. Ein Teil der Rauch-Wärme-Abzugsklappen auf dem Dach der Aushub¬halle wurden durch die Explosion beschädigt, andere öffneten sich. „Wir hatten rasch abgeklärt, dass die Hallenventilation und die Abluftreinigungsanlage ununterbrochen weiter funktionierten“, erklärt Gesamtprojektleiter Rémi Luttenbacher. „Deshalb wussten wir, dass trotz teils geöffneter Abzugsklappen der Lüftungsstrom in die Halle hinein gelenkt wurde.“

Luftmessungen zeigen keine Gefahr
Der Einsatzleiter der Kantonspolizei Jura, Leutnant Damien Scheder, hat vorsorglich die Feuerwehr und französische Einheiten zur Messung der Luftwerte in den Nachbargemeinden aufgeboten. An einer eilig einberufenen Medienkonferenz konnten Leutnant Scheder und Michael Fischer, Geschäftsführer bci Betriebs-AG, darüber informieren, dass die Luftmessungen keine erhöhten Werte zeigten und somit eine Gefährdung der Bevölkerung und der Umwelt ausgeschlossen werden kann.

Die jurassischen Behörden haben noch am selben Tag das Forensische Institut Zürich, eine Organisation der Kantons- und Stadtpolizei Zürich, beauftragt, die Ursachen der Explosion zu erforschen. Die Spezialisten für Explosionsereignisse waren bereits am Abend des 7. Juli vor Ort und nahmen am Folgetag erste Proben auf dem Dach der Aushubhalle. Zudem bewerteten sie das Schadensbild, verschiedene Unterlagen, Videobilder und Aussagen. Weitere Materialproben wurden später vom beschädigten Bagger sowie vom Explosionsort selbst entnommen.

Untersuchung: Chlorate als Ursache
Umfangreiche Laboranalysen auf verschiedenste Substanzen hin führten die Experten schliesslich zu folgendem Schluss: „Für uns steht die Umsetzung einer Mischung, bestehend aus einer Chloratverbindung (mutmasslich Natriumchlorat) und einer brennbaren (stark reduzierenden) Substanz im Vordergrund“, schreibt das Forensische Institut in seinem Untersuchungsbericht. Diese sehr reib- und schlagempfindliche Mischung sei explodiert, als der Arbeiter die Baggerschaufel absenkte, um Abfallreste zusammenzuschieben. Die Experten des Forensischen Instituts haben in den Proben weder Sprengstoffe noch andere möglicherweise explosive Substanzen nachgewiesen.

Unmittelbar nach der Explosion hat die bci Betriebs-AG eine Arbeitsgruppe aus Mitarbeitern von Firmen der Basler Chemischen Industrie (BCI), externen Experten sowie eigenen Fachleuten gebildet. Experten des Schweizerischen Sicherheitsinstituts haben aus Schadensbild und Bildern der Überwachungskameras eine Sprengkraft vergleichbar mit der von zwei bis zehn Kilogramm TNT errechnet. Die Mischung von Chloraten mit organischen Substanzen, die am 7. Juli 2010 zur lokalen Explosion führte, dürfte demnach zwischen 3 und 50 Kilogramm gewogen haben.

Expertengruppe erforscht Lösungswege
Die Arbeitsgruppe untersuchte die mögliche Herkunft der Chlorate anhand von Dokumenten der BCI-Firmen, beispielsweise Betriebsvorschriften aus der Produktion und Korrespondenzen sowie Mitarbeiteraussagen. Chlorate wurden in den 1960er-Jahren in der BCI für einzelne Produktionsprozesse, etwa zur Chlorierung, verwendet. „Chlorate haben eine hohe Reaktivität. Das bedeutet, dass sie in den Produktionsverfahren sehr effizient umgesetzt werden und kaum Rückstände übrigbleiben“, erklärt der studierte Chemiker Rémi Luttenbacher. „Weiterhin wissen wir, dass Chlorate in der Produktion ausschliesslich in wässriger Lösung eingesetzt wurden. Daher ist es unwahrscheinlich, dass Chlorate als Feststoffe aus der Produktion übrig geblieben sind und deponiert wurden.“

Es gilt als am wahrscheinlichsten, dass Chlorate aus Laboratorien oder Pilotanlagen in kleinen Mengen auf der Deponie Bonfol abgelagert wurden. Die Arbeitsgruppe folgert daraus, dass das Vorkommen weiterer kleinerer, im Deponiekörper verteilter Ansammlungen nicht ausgeschlossen werden kann. Nach übereinstimmender Meinung der Experten ist es sehr schwierig, solche kleine Ansammlungen im Deponiekörper aufzuspüren und zur gesonderten Behandlung zu isolieren.

Zusätzliche chemische Analysen
„Wir werden alles unternehmen, um mit präventiven Massnahmen das Explosionsrisiko zu verringern“, erklärt Geschäftsführer Michael Fischer. Die „Phlegmatisierung“, also die Verringerung der Schlag- und Reibempfindlichkeit durch Zugabe von Wasser, ist eine mögliche Lösung: Von Abfällen und im Sickerwasser werden Analysen auf Chlorate oder Substanzen mit ähnlichen Eigenschaften durchgeführt. Sind erhöhte Konzentrationen nachweisbar, können die Abfälle entsprechend phlegmatisiert werden.

Allerdings werden Chlorate und andere Stoffe, die in geschlossenen Gebinden, wie z.B. Glasflaschen, in der Deponie liegen, von diesen Analysen nicht erfasst. Deshalb ist zusätzlich vorgesehen, die Abfälle in der Aushubhalle zu zerkleinern. Ein Shredder wird zukünftig Abfallklumpen und Gebinde zerschneiden. „Bei diesem Vorgehen wird die Menge an zusammenhaftendem, potentiell gefährlichem Material verringert und damit eine eventuelle Reaktion bei der weiteren Vorbereitung der Abfälle begrenzt“, erläutert Rémi Luttenbacher. Weil das Zerkleinern der Abfälle selbst allenfalls eine Reaktion auslösen kann, werden rund um den Shredder weitreichende Sicherungsvorkehrungen installiert. So lenkt eine Ableitungshaube über dem Shredder die allfällige Druckwelle einer Explosion in die Weite der Aushubhalle um. Die nachfolgenden Arbeitsschritte für die Vorbereitung, den Transport und die Entsorgung der Abfälle prüft derzeit ein international anerkanntes Fachinstitut.

Massnahmen zum Schutz von Mensch und Umwelt
Trotz dieser präventiven Massnahmen ist nach Meinung der Fachleute, eine Explosion während der Sanierungsarbeiten in Bonfol nicht auszuschliessen. Deswegen ergreift die bci Betriebs-AG zusätzliche Schutzmassnahmen, um die Auswirkungen einer allfälligen Explosion zu begrenzen. Von Beginn an hat die bci Betriebs-AG im Sanierungskonzept einen Abbau mittels eines ferngesteuerten Kran-Greifer-Systems vorgesehen, das von der geschützten Leitwarte aus betrieben wird. Die Abfälle werden weiterhin mit dieser Methode ausgehoben. In Zukunft werden Baumaschinen, die in der Aushubhalle für Arbeiten mit Abfällen zum Einsatz kommen, mit Fernsteuerungen ausgerüstet und ebenfalls von der Leitwarte aus bedient. Sowohl die Kabinen der Baufahrzeuge in der Vorbereitungshalle, als auch die Fenster der Leitwarte werden mit Panzerglas verstärkt. Organisatorische Massnahmen ergänzen diese technischen Vorkehrungen.

„Experten empfehlen generell bei einem Explosionsrisiko, der Druckwelle Raum zu lassen“, erklärt Gesamtprojektleiter Rémi Luttenbacher: „Mit 180‘000 Kubikmetern bietet die Aushubhalle bietet bereits ein grosses Volumen, um den entstehenden Überdruck einer allfälligen Explosion aufzufangen.“ Zusätzlich werden in die Fassaden und das Dach Druckentlastungseinrichtungen eingebaut. Diese öffnen sich im Falle einer Explosion ab einem bestimmten Überdruck. Würde eine Druckwelle nicht vom Hallenvolumen absorbiert werden können, kann sie durch die vorgesehenen Öffnungen entweichen, ohne grossen Schaden anzurichten. Diese Massnahme erlaubt es, die Stahlstruktur, Wände und Dach der Aushubhalle zu schützen. Nach dem Abebben einer Druckwelle kann die Halle rasch wieder geschlossen und so eine länger andauernde Emission in die Umwelt vermieden werden.

„Selbst wenn bei einer Rauch oder Partikel mit der Druckwelle kurzfristig aus der Halle entweichen sollten, ist dies einer längeren, unkontrollierten Öffnung der Halle, etwa durch Schäden an Dach oder Fassade, vorzuziehen“, erklärt Geschäftsführer Michael Fischer. „In jedem Fall werden bei einer Öffnung der Halle zur Sicherheit von Anwohnern und Umwelt sofort Luftmessungen durchgeführt.“

Medienkonferenz: Kanton für rasche Wiederaufnahme
An der Medienkonferenz vom 9. Februar 2011 haben die bci Betriebs-AG sowie derVertreter des Kantons Jura die zusätzlichen Sicherheitsmassnahmen vorgestellt. Die Aufsichtsbehörden des Kantons Jura wurden während der Erarbeitung der Massnahmen regelmässig informiert und konsultiert. Dadurch konnten sie die gewonnenen Erkenntnisse und vorgeschlagenen Massnahmen bereits in einem frühen Stadium beurteilen, aber auch ihre Anregungen einbringen. Die Gerätschaften, die bei der Wiederaufnahme der Arbeiten die grösstmögliche Sicherheit für Mensch und Umwelt gewährleisten sollen, wurden schon bestellt. Einige sind bereits installiert, beispielsweise die Druckentlastungseinrichtungen für die Aushubhalle. Der ferngesteuerte Bagger war Anfang März geliefert worden. Seitdem trainieren die Baggerführer den Umgang mit diesem neuen Gerät; die ersten Versuche sind vielversprechend verlaufen.

Die Kantonsbehörden werden die Umsetzung der Massnahmen aktiv begleiten und die aktualisierten Risikoanalysen und weitere technische Dokumente prüfen sowie die Installationen abnehmen. Die Wiederaufnahme der Sanierungsarbeiten bedarf der Genehmigung durch die Behörden des Kantons Jura. „Wir wollen die Sanierung rasch und mit optimaler Sicherheit wiederaufnehmen“, fasst Michael Fischer das gemeinsame Ziel zusammen. „Wir planen, dass wir im April in einer Pilotphase alle neuen Massnahmen sowie die angepassten Arbeitsschritte ausführlich testen und wieder Abfälle ausheben werden.“

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» Im Einsatz für die Sicherheit
» Bonfol, die Deponie und die Zukunft der Gemeinde
» Mit dabei: Experten für Explosionen

05-2011

Umsetzung der zusätzlichen Sicherheitsmassnahmen

Am Nachmittag des 7. Juli 2010 ereignete sich eine lokale Explosion in der Aushubhalle der Deponie Bonfol. Seither ruht der Abfallaushub; die Schäden an Anlagen und Halle wurden behoben. Experten erforschten in der Zwischenzeit die Ursache und ermittelten zusätzliche Massnahmen, um Explosionen zu vermeiden und die Auswirkungen zu begrenzen. Nachdem die Behörden die Vorschläge grundlegend gut geheissen haben, werden die ergänzenden Sicherheitsmassnahmen nun umgesetzt.

Nachdem am 7. Juli 2010 der geplante Aushub der Abfälle mittels des fern¬gesteuerten Kran-Greifer-Systems beendet war, reinigte ein Arbeiter in einem speziell geschütztem Bagger den Deponiesaum. Dabei kam es um 14 Uhr zu einer lokalen Explosion, die in Bonfol und Pfetterhouse deutlich wahrnehmbar war. Der Baggerführer konnte sich aus eigener Kraft aus der Aushubhalle retten. Abgesehen von leichten Schnittwunden am Arm infolge einer geborstenen Seitenscheibe blieb er unverletzt. Vorsorglich wurde er unverzüglich zur ärztlichen Kontrolle ins Spital gefahren.

Die Betriebsmannschaft und die Projektleiter vor Ort erkundeten sofort die Situation. Sie informierten umgehend die Einsatzkräfte über die Explosion sowie darüber, dass in der Folge kein Brand entstanden war. Ein Teil der Rauch-Wärme-Abzugsklappen auf dem Dach der Aushub¬halle wurden durch die Explosion beschädigt, andere öffneten sich. „Wir hatten rasch abgeklärt, dass die Hallenventilation und die Abluftreinigungsanlage ununterbrochen weiter funktionierten“, erklärt Gesamtprojektleiter Rémi Luttenbacher. „Deshalb wussten wir, dass trotz teils geöffneter Abzugsklappen der Lüftungsstrom in die Halle hinein gelenkt wurde.“

Luftmessungen zeigen keine Gefahr
Der Einsatzleiter der Kantonspolizei Jura, Leutnant Damien Scheder, hat vorsorglich die Feuerwehr und französische Einheiten zur Messung der Luftwerte in den Nachbargemeinden aufgeboten. An einer eilig einberufenen Medienkonferenz konnten Leutnant Scheder und Michael Fischer, Geschäftsführer bci Betriebs-AG, darüber informieren, dass die Luftmessungen keine erhöhten Werte zeigten und somit eine Gefährdung der Bevölkerung und der Umwelt ausgeschlossen werden kann.

Die jurassischen Behörden haben noch am selben Tag das Forensische Institut Zürich, eine Organisation der Kantons- und Stadtpolizei Zürich, beauftragt, die Ursachen der Explosion zu erforschen. Die Spezialisten für Explosionsereignisse waren bereits am Abend des 7. Juli vor Ort und nahmen am Folgetag erste Proben auf dem Dach der Aushubhalle. Zudem bewerteten sie das Schadensbild, verschiedene Unterlagen, Videobilder und Aussagen. Weitere Materialproben wurden später vom beschädigten Bagger sowie vom Explosionsort selbst entnommen.

Untersuchung: Chlorate als Ursache
Umfangreiche Laboranalysen auf verschiedenste Substanzen hin führten die Experten schliesslich zu folgendem Schluss: „Für uns steht die Umsetzung einer Mischung, bestehend aus einer Chloratverbindung (mutmasslich Natriumchlorat) und einer brennbaren (stark reduzierenden) Substanz im Vordergrund“, schreibt das Forensische Institut in seinem Untersuchungsbericht. Diese sehr reib- und schlagempfindliche Mischung sei explodiert, als der Arbeiter die Baggerschaufel absenkte, um Abfallreste zusammenzuschieben. Die Experten des Forensischen Instituts haben in den Proben weder Sprengstoffe noch andere möglicherweise explosive Substanzen nachgewiesen.

Unmittelbar nach der Explosion hat die bci Betriebs-AG eine Arbeitsgruppe aus Mitarbeitern von Firmen der Basler Chemischen Industrie (BCI), externen Experten sowie eigenen Fachleuten gebildet. Experten des Schweizerischen Sicherheitsinstituts haben aus Schadensbild und Bildern der Überwachungskameras eine Sprengkraft vergleichbar mit der von zwei bis zehn Kilogramm TNT errechnet. Die Mischung von Chloraten mit organischen Substanzen, die am 7. Juli 2010 zur lokalen Explosion führte, dürfte demnach zwischen 3 und 50 Kilogramm gewogen haben.

Expertengruppe erforscht Lösungswege
Die Arbeitsgruppe untersuchte die mögliche Herkunft der Chlorate anhand von Dokumenten der BCI-Firmen, beispielsweise Betriebsvorschriften aus der Produktion und Korrespondenzen sowie Mitarbeiteraussagen. Chlorate wurden in den 1960er-Jahren in der BCI für einzelne Produktionsprozesse, etwa zur Chlorierung, verwendet. „Chlorate haben eine hohe Reaktivität. Das bedeutet, dass sie in den Produktionsverfahren sehr effizient umgesetzt werden und kaum Rückstände übrigbleiben“, erklärt der studierte Chemiker Rémi Luttenbacher. „Weiterhin wissen wir, dass Chlorate in der Produktion ausschliesslich in wässriger Lösung eingesetzt wurden. Daher ist es unwahrscheinlich, dass Chlorate als Feststoffe aus der Produktion übrig geblieben sind und deponiert wurden.“

Es gilt als am wahrscheinlichsten, dass Chlorate aus Laboratorien oder Pilotanlagen in kleinen Mengen auf der Deponie Bonfol abgelagert wurden. Die Arbeitsgruppe folgert daraus, dass das Vorkommen weiterer kleinerer, im Deponiekörper verteilter Ansammlungen nicht ausgeschlossen werden kann. Nach übereinstimmender Meinung der Experten ist es sehr schwierig, solche kleine Ansammlungen im Deponiekörper aufzuspüren und zur gesonderten Behandlung zu isolieren.

Zusätzliche chemische Analysen
„Wir werden alles unternehmen, um mit präventiven Massnahmen das Explosionsrisiko zu verringern“, erklärt Geschäftsführer Michael Fischer. Die „Phlegmatisierung“, also die Verringerung der Schlag- und Reibempfindlichkeit durch Zugabe von Wasser, ist eine mögliche Lösung: Von Abfällen und im Sickerwasser werden Analysen auf Chlorate oder Substanzen mit ähnlichen Eigenschaften durchgeführt. Sind erhöhte Konzentrationen nachweisbar, können die Abfälle entsprechend phlegmatisiert werden.

Allerdings werden Chlorate und andere Stoffe, die in geschlossenen Gebinden, wie z.B. Glasflaschen, in der Deponie liegen, von diesen Analysen nicht erfasst. Deshalb ist zusätzlich vorgesehen, die Abfälle in der Aushubhalle zu zerkleinern. Ein Shredder wird zukünftig Abfallklumpen und Gebinde zerschneiden. „Bei diesem Vorgehen wird die Menge an zusammenhaftendem, potentiell gefährlichem Material verringert und damit eine eventuelle Reaktion bei der weiteren Vorbereitung der Abfälle begrenzt“, erläutert Rémi Luttenbacher. Weil das Zerkleinern der Abfälle selbst allenfalls eine Reaktion auslösen kann, werden rund um den Shredder weitreichende Sicherungsvorkehrungen installiert. So lenkt eine Ableitungshaube über dem Shredder die allfällige Druckwelle einer Explosion in die Weite der Aushubhalle um. Die nachfolgenden Arbeitsschritte für die Vorbereitung, den Transport und die Entsorgung der Abfälle prüft derzeit ein international anerkanntes Fachinstitut.

Massnahmen zum Schutz von Mensch und Umwelt
Trotz dieser präventiven Massnahmen ist nach Meinung der Fachleute, eine Explosion während der Sanierungsarbeiten in Bonfol nicht auszuschliessen. Deswegen ergreift die bci Betriebs-AG zusätzliche Schutzmassnahmen, um die Auswirkungen einer allfälligen Explosion zu begrenzen. Von Beginn an hat die bci Betriebs-AG im Sanierungskonzept einen Abbau mittels eines ferngesteuerten Kran-Greifer-Systems vorgesehen, das von der geschützten Leitwarte aus betrieben wird. Die Abfälle werden weiterhin mit dieser Methode ausgehoben. In Zukunft werden Baumaschinen, die in der Aushubhalle für Arbeiten mit Abfällen zum Einsatz kommen, mit Fernsteuerungen ausgerüstet und ebenfalls von der Leitwarte aus bedient. Sowohl die Kabinen der Baufahrzeuge in der Vorbereitungshalle, als auch die Fenster der Leitwarte werden mit Panzerglas verstärkt. Organisatorische Massnahmen ergänzen diese technischen Vorkehrungen.

„Experten empfehlen generell bei einem Explosionsrisiko, der Druckwelle Raum zu lassen“, erklärt Gesamtprojektleiter Rémi Luttenbacher: „Mit 180‘000 Kubikmetern bietet die Aushubhalle bietet bereits ein grosses Volumen, um den entstehenden Überdruck einer allfälligen Explosion aufzufangen.“ Zusätzlich werden in die Fassaden und das Dach Druckentlastungseinrichtungen eingebaut. Diese öffnen sich im Falle einer Explosion ab einem bestimmten Überdruck. Würde eine Druckwelle nicht vom Hallenvolumen absorbiert werden können, kann sie durch die vorgesehenen Öffnungen entweichen, ohne grossen Schaden anzurichten. Diese Massnahme erlaubt es, die Stahlstruktur, Wände und Dach der Aushubhalle zu schützen. Nach dem Abebben einer Druckwelle kann die Halle rasch wieder geschlossen und so eine länger andauernde Emission in die Umwelt vermieden werden.

„Selbst wenn bei einer Rauch oder Partikel mit der Druckwelle kurzfristig aus der Halle entweichen sollten, ist dies einer längeren, unkontrollierten Öffnung der Halle, etwa durch Schäden an Dach oder Fassade, vorzuziehen“, erklärt Geschäftsführer Michael Fischer. „In jedem Fall werden bei einer Öffnung der Halle zur Sicherheit von Anwohnern und Umwelt sofort Luftmessungen durchgeführt.“

Medienkonferenz: Kanton für rasche Wiederaufnahme
An der Medienkonferenz vom 9. Februar 2011 haben die bci Betriebs-AG sowie derVertreter des Kantons Jura die zusätzlichen Sicherheitsmassnahmen vorgestellt. Die Aufsichtsbehörden des Kantons Jura wurden während der Erarbeitung der Massnahmen regelmässig informiert und konsultiert. Dadurch konnten sie die gewonnenen Erkenntnisse und vorgeschlagenen Massnahmen bereits in einem frühen Stadium beurteilen, aber auch ihre Anregungen einbringen. Die Gerätschaften, die bei der Wiederaufnahme der Arbeiten die grösstmögliche Sicherheit für Mensch und Umwelt gewährleisten sollen, wurden schon bestellt. Einige sind bereits installiert, beispielsweise die Druckentlastungseinrichtungen für die Aushubhalle. Der ferngesteuerte Bagger war Anfang März geliefert worden. Seitdem trainieren die Baggerführer den Umgang mit diesem neuen Gerät; die ersten Versuche sind vielversprechend verlaufen.

Die Kantonsbehörden werden die Umsetzung der Massnahmen aktiv begleiten und die aktualisierten Risikoanalysen und weitere technische Dokumente prüfen sowie die Installationen abnehmen. Die Wiederaufnahme der Sanierungsarbeiten bedarf der Genehmigung durch die Behörden des Kantons Jura. „Wir wollen die Sanierung rasch und mit optimaler Sicherheit wiederaufnehmen“, fasst Michael Fischer das gemeinsame Ziel zusammen. „Wir planen, dass wir im April in einer Pilotphase alle neuen Massnahmen sowie die angepassten Arbeitsschritte ausführlich testen und wieder Abfälle ausheben werden.“



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