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04-2010

Mitten in der Pilotphase

Nach Ostern wurde der Deponiedeckel bis auf 50 bis 100 cm abgetragen und am 15. April die ersten Abfälle aus der Deponie Bonfol ausgehoben. Während der dreimonatigen Pilotphase prüft die bci Betriebs-AG alle Einrichtungen und Abläufe. Erst wenn alles einwandfrei funktioniert, beginnt der Aushub der Abfälle in grossen Mengen. Rémi Luttenbacher, Leiter Gesamtprojekt bci Betriebs-AG, zu Sinn und Zweck der Pilotphase.

Wieso startet die bci Betriebs-AG den Aushub mit einer Pilotphase?
Die definitive Sanierung einer solch grossvolumigen Sondermülldeponie ist eine Pionierleistung, dazu gibt es weltweit nur wenig Erfahrung. Wir haben die Sanierung mit Altlasten- und Umweltexperten sorgfältig geplant und die nötige Infrastruktur aufgebaut. Jetzt muss sich alles in der Praxis beweisen. Die dreimonatige Pilotphase ist sehr wichtig für uns, weil sie zeigen wird, ob sich das von uns entwickelte Sanierungskonzept umsetzen lässt. Wir überprüfen – ohne Zeit- und Mengendruck – ob alle Anlagen funktionieren und die Abläufe gut ineinandergreifen. Sehen wir Schwachstellen, können wir diese korrigieren. Dabei gilt: Die Sicherheit von Mensch und Umwelt ist für uns wichtiger als der Zeitplan.

Was geschieht genau während der Pilotphase?
Zu Beginn der Pilotphase im April wurde der Deckel abgetragen und in den zwei Sanierungshallen der sogenannte „Schwarzbereich“ eingerichtet. Das heisst, dass sowohl die Aushub-, wie die Vorbereitungshalle nur noch mit Schutzausrüstung oder in speziell ausgerüsteten, mit eigener Luft versorgten Maschinen betreten werden dürfen. Die Bodenhalle hingegen wird erst später zum Schwarzbereich.

Wir haben mit dem Aushub im Südteil der Deponie begonnen. Ein Kranführer bedient in einer Leitwarte ausserhalb der Aushubhalle das halb-automatische Kran-Greifersystem. Wir verwenden sowohl einen Polyp- als auch einen Zweischalengreifer, die rund zwei Kubikmeter Abfälle fassen können. Wir tragen die Abfälle in einem rund drei bis fünf Meter breiten Streifen bis auf den Grund der ehemaligen Deponie ab. Dieses Vorgehen hat den Vorteil, dass die offene Oberfläche der Abfallfront sehr klein ist und dadurch die Emissionen in der Halle begrenzt bleiben.
Wir testen aber gemeinsam mit den Sanierungspartnern auch alle weiteren Arbeitsschritte: den halb-automatischen Transport mit Loren in die Vorbereitungshalle, wir beproben, analysieren, stabilisieren, sieben und füllen die Abfälle in die speziellen Transportcontainer. Dann werden die Container von aussen dekontaminiert und gelagert. Wir testen auch das Verladen der Container auf die Bahn, den Transport zu den Sonderabfallverbrennungsanlagen, die Entsorgung dort sowie den Rücktransport der leeren Container nach Bonfol.

Erst wenn alle Sicherheitseinrichtungen, Maschinen und Abläufe einwandfrei funktionieren, leiten wir den Aushub der Abfälle im grossen Massstab ein. Wahrscheinlich wird es noch Anpassungen geben, aber ich bin zuversichtlich, dass unser Konzept funktionieren wird.

Was sind die grössten Herausforderungen dabei?
Die Komplexität der Aufgabe – viele Abläufe hängen von anderen Abläufen ab. Daher müssen alle Einrichtungen und Prozesse perfekt ineinandergreifen und einwandfrei funktionieren: Aushub, Vorbereitung, Transport, Entsorgung, die ganze Logistikkette und insbesondere die Sicherheitsvorkehrungen für die Mitarbeitenden, für die Bevölkerung und für die Umwelt. Wir leisten in Bonfol Pionierarbeit in der Altlastensanierung. Das gilt übrigens auch für die Arbeiter, die für die einzelnen Aufgaben und im Umgang mit Anlagen und Ausrüstung speziell geschult werden mussten. Gerade deshalb ist die Pilotphase, wo wir alles in Ruhe testen und falls erforderlich optimieren können, für uns eminent wichtig.

Was haben Sie empfunden, als am 15. April die ersten Abfälle ausgehoben wurden?
Für mich als Chemiker und Techniker war das ein ganz besonderer Augenblick, dem ich mit positiver Spannung entgegensah. Nach Jahren der Theorie, der Vorbereitung geht es endlich los. Nach über dreissig Jahren kommen die Abfälle erstmals wieder ans Licht und werden nun im Sinn einer nachhaltigen Sanierung fachgerecht entsorgt. Dies ist ein gutes Gefühl! Wir beseitigen eine Hypothek aus der Vergangenheit.

Was lief bisher gut, und was muss weiter optimiert werden?
Aufgrund der ersten Erkenntnisse der Pilotphase haben wir verschiedene kleine Optimierungen vorgenommen. Beispielsweise wurden die Siebdecks angepasst um das Abschütten des Grobgutes zu verbessern. Im Grossen und Ganzen läuft aber alles nach Plan: Der Kran-Greifer kann die Abfälle bisher gut aufnehmen, auch das Befüllen der Loren und das Abkippen in die Aufnahmebunker funktioniert gut. Die Probenahme und Stabilisierung der Abfälle sowie der Umgang mit den Spezialcontainern läuft wie erwartet, ebenso die Abluftreinigungsanlage. Bis jetzt sind wir also sehr zufrieden und zuversichtlich für die weiteren Arbeiten.

Galerie
Weitere Artikel des Newsletters
» Editorial zum erfolgreichen Beginn des Abfallaushubs
» Mitten in der Pilotphase
» Von der Vorbereitung bis zur Verbrennung
» Regelwerk für Zusammenarbeit
» Blick zurück – und nach vorn
» Kamin an einem Tag montiert
» Mehr Sicherheit durch Übungen und Schulungen
» Broschüre: Das richtige Verhalten im Notfall
» Mit dabei

04-2010

Mitten in der Pilotphase

Nach Ostern wurde der Deponiedeckel bis auf 50 bis 100 cm abgetragen und am 15. April die ersten Abfälle aus der Deponie Bonfol ausgehoben. Während der dreimonatigen Pilotphase prüft die bci Betriebs-AG alle Einrichtungen und Abläufe. Erst wenn alles einwandfrei funktioniert, beginnt der Aushub der Abfälle in grossen Mengen. Rémi Luttenbacher, Leiter Gesamtprojekt bci Betriebs-AG, zu Sinn und Zweck der Pilotphase.

Wieso startet die bci Betriebs-AG den Aushub mit einer Pilotphase?
Die definitive Sanierung einer solch grossvolumigen Sondermülldeponie ist eine Pionierleistung, dazu gibt es weltweit nur wenig Erfahrung. Wir haben die Sanierung mit Altlasten- und Umweltexperten sorgfältig geplant und die nötige Infrastruktur aufgebaut. Jetzt muss sich alles in der Praxis beweisen. Die dreimonatige Pilotphase ist sehr wichtig für uns, weil sie zeigen wird, ob sich das von uns entwickelte Sanierungskonzept umsetzen lässt. Wir überprüfen – ohne Zeit- und Mengendruck – ob alle Anlagen funktionieren und die Abläufe gut ineinandergreifen. Sehen wir Schwachstellen, können wir diese korrigieren. Dabei gilt: Die Sicherheit von Mensch und Umwelt ist für uns wichtiger als der Zeitplan.

Was geschieht genau während der Pilotphase?
Zu Beginn der Pilotphase im April wurde der Deckel abgetragen und in den zwei Sanierungshallen der sogenannte „Schwarzbereich“ eingerichtet. Das heisst, dass sowohl die Aushub-, wie die Vorbereitungshalle nur noch mit Schutzausrüstung oder in speziell ausgerüsteten, mit eigener Luft versorgten Maschinen betreten werden dürfen. Die Bodenhalle hingegen wird erst später zum Schwarzbereich.

Wir haben mit dem Aushub im Südteil der Deponie begonnen. Ein Kranführer bedient in einer Leitwarte ausserhalb der Aushubhalle das halb-automatische Kran-Greifersystem. Wir verwenden sowohl einen Polyp- als auch einen Zweischalengreifer, die rund zwei Kubikmeter Abfälle fassen können. Wir tragen die Abfälle in einem rund drei bis fünf Meter breiten Streifen bis auf den Grund der ehemaligen Deponie ab. Dieses Vorgehen hat den Vorteil, dass die offene Oberfläche der Abfallfront sehr klein ist und dadurch die Emissionen in der Halle begrenzt bleiben.
Wir testen aber gemeinsam mit den Sanierungspartnern auch alle weiteren Arbeitsschritte: den halb-automatischen Transport mit Loren in die Vorbereitungshalle, wir beproben, analysieren, stabilisieren, sieben und füllen die Abfälle in die speziellen Transportcontainer. Dann werden die Container von aussen dekontaminiert und gelagert. Wir testen auch das Verladen der Container auf die Bahn, den Transport zu den Sonderabfallverbrennungsanlagen, die Entsorgung dort sowie den Rücktransport der leeren Container nach Bonfol.

Erst wenn alle Sicherheitseinrichtungen, Maschinen und Abläufe einwandfrei funktionieren, leiten wir den Aushub der Abfälle im grossen Massstab ein. Wahrscheinlich wird es noch Anpassungen geben, aber ich bin zuversichtlich, dass unser Konzept funktionieren wird.

Was sind die grössten Herausforderungen dabei?
Die Komplexität der Aufgabe – viele Abläufe hängen von anderen Abläufen ab. Daher müssen alle Einrichtungen und Prozesse perfekt ineinandergreifen und einwandfrei funktionieren: Aushub, Vorbereitung, Transport, Entsorgung, die ganze Logistikkette und insbesondere die Sicherheitsvorkehrungen für die Mitarbeitenden, für die Bevölkerung und für die Umwelt. Wir leisten in Bonfol Pionierarbeit in der Altlastensanierung. Das gilt übrigens auch für die Arbeiter, die für die einzelnen Aufgaben und im Umgang mit Anlagen und Ausrüstung speziell geschult werden mussten. Gerade deshalb ist die Pilotphase, wo wir alles in Ruhe testen und falls erforderlich optimieren können, für uns eminent wichtig.

Was haben Sie empfunden, als am 15. April die ersten Abfälle ausgehoben wurden?
Für mich als Chemiker und Techniker war das ein ganz besonderer Augenblick, dem ich mit positiver Spannung entgegensah. Nach Jahren der Theorie, der Vorbereitung geht es endlich los. Nach über dreissig Jahren kommen die Abfälle erstmals wieder ans Licht und werden nun im Sinn einer nachhaltigen Sanierung fachgerecht entsorgt. Dies ist ein gutes Gefühl! Wir beseitigen eine Hypothek aus der Vergangenheit.

Was lief bisher gut, und was muss weiter optimiert werden?
Aufgrund der ersten Erkenntnisse der Pilotphase haben wir verschiedene kleine Optimierungen vorgenommen. Beispielsweise wurden die Siebdecks angepasst um das Abschütten des Grobgutes zu verbessern. Im Grossen und Ganzen läuft aber alles nach Plan: Der Kran-Greifer kann die Abfälle bisher gut aufnehmen, auch das Befüllen der Loren und das Abkippen in die Aufnahmebunker funktioniert gut. Die Probenahme und Stabilisierung der Abfälle sowie der Umgang mit den Spezialcontainern läuft wie erwartet, ebenso die Abluftreinigungsanlage. Bis jetzt sind wir also sehr zufrieden und zuversichtlich für die weiteren Arbeiten.



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