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12-2018

Die Aushubhalle verschwindet wieder

Ein weiterer Meilenstein auf der Sondermülldeponie Bonfol: Am 25. August erfolgte unter grossen Sicherheitsvorkehrungen mittels gezielter Schnittsprengungen die Demontage der grossen Hallenbögen. Innert fünf Sekunden fiel die riesige Konstruktion kontrolliert zu Boden. Rund 130 geladene Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgten das Ereignis, das mit höchster Präzision durchgeführt wurde.

25. August, kurz nach 11 Uhr: Fünf lange Signaltöne künden die Sprengung an. Sprengmeister Walter Weber fragt über Funk nach, ob sein Team bereit sei. Dann betätigt er nochmals das Signalhorn. Drei kurze Töne. Dann der Countdown: 3, 2, 1, Zündung. Ein grosser Knall, Rauchwolken steigen an verschiedenen Stellen der riesigen Aushubhalle auf. Die erste Serie von Schnittsprengungen kappt die Zugbänder, mit denen die Hallenbögen unter dem Dach zusammengehalten werden. Den Bruchteil einer Sekunde später folgt eine zweite Serie von Sprengungen und durchtrennt die Stahlseile, an denen die Hallendecke an den Bögen aufgehängt ist. Die Hallenbögen kommen in Bewegung und drücken die Ostwand nach aussen, die Bögen öffnen sich an den dafür vorgesehenen Stellen und fallen kontrolliert zu Boden. Es ertönt ein langes Hornsignal. Entwarnung. Die Sprengung ist vorbei. Mitarbeiter der Sprengfirma kontrollieren, dass keine Gefahr mehr besteht.

Zuschauer hochzufrieden

Hinter der Schutzwand aus Holz und Plexiglas in gut 100 Meter Entfernung applaudieren die 130 geladenen Gäste und Medienvertreter. Sie hatten einen direkten Blick auf die Sprengung und auf Live-Bilder von Kameras aus verschiedenen Positionen. Nun gehen sie vorsichtig an das Stahlskelett heran, um sich einen Eindruck zu machen. Beim folgenden Apéro äussern sich viele beeindruckt und zufrieden, direkt dabeigewesen zu sein.

Viele Menschen aus der Umgebung verfolgen dieses Ereignis ausserhalb des gesperrten Sicherheitsradius‘ am CISA Technopark, wo die bci Betriebs-AG eine Direktübertragung auf einen Grossbildschirm organisiert hat. Besitzer Marcel Pheulpin hat einen Platz vorbereitet sowie Tische und Verpflegungsmöglichkeiten organisiert. Hier sehen rund 150 Leute, wie die Bögen um 11:07 Uhr hinter den Bäumen zusammensacken, sowie später die verschiedenen Filmaufnahmen von der Sprengung. Auch die Primarschüler aus Bonfol haben an diesem Vormittag die Schulbank verlassen, um die Sprengung mit grossen Augen zu verfolgen.

Erfolgreiche Schnittsprengung

Walter Weber, Sprengmeister der GU SprengTechnik AG, ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden: „Unser Ziel war eine sichere Demontage, bei der sich die verschiedenen Elemente der Hallenbögen aufteilen und anschliessend möglichst geordnet zu Boden fallen. Das ist uns gelungen.“ Zum Erfolg beigetragen hat die sogenannte Schnittsprengung, die in der Schweiz zum ersten Mal bei einem Gebäude dieser Dimensionen angewendet wurde: 2‘200 Tonnen Stahlstruktur von 150 Metern Breite, 122,5 Metern Länge und der Spitze der Bögen auf 47 Metern Höhe.

Im Vorfeld schwächten Industriekletterer die Struktur gezielt an wichtigen Stellen, indem sie einzelne Muttern lösten. Anschliessend platzierten die Sprengspezialisten an den strategisch wichtigen Punkten der Hallenkonstruktion 47 Sprengladungen mit insgesamt nur rund 20 Kilogramm Sprengstoff. Durch die Explosion entsteht ein sehr hoher Druck und eine grosse Hitze, welche den Kupfermantel der Sprengladung mit grosser Geschwindigkeit und einer Temperatur von ca. 4‘500 Grad Celsius auf die zu schneidenden Stahlträger schleudert. Dieses Kupferplasma schnitt in Millisekunden den gehärteten Stahl entzwei.

Bei einer Sprengung denkt man in der Regel an Zerstörung und Chaos. Walter Weber stellt richtig: „Bei einer Schnittsprengung überlassen wir nichts dem Zufall. Deshalb benötigen wir rund sechs Wochen Vorbereitungszeit. Die Zuschauer sind dann erstaunt, mit welcher Präzision ein riesiges Gebäude auf die gewünschte Weise zusammenfällt.“

Die sichere Rückbauvariante

Mit der Schnittsprengung hat man sich laut Urs Haller, Projektleiter beim Groupement DIB, für die effizienteste und sicherste Methode entschieden. „Die gewählte Sprengmethode hat den Vorteil, dass nach der Sprengung weniger verspannte Teile am Boden liegen. Das bedeutet einen grossen Sicherheitsgewinn für die anschliessenden Zerkleinerungsarbeiten des Stahls.“ Schon in der Planungsphase wurde klar, dass die Sprengvariante hinsichtlich der Zugänglichkeit wesentliche Vorteile mit sich bringt. Ein geordneter Rückbau wäre mit grösseren Risiken für die ausführenden Arbeiter verbunden gewesen. Ausserdem gab es noch ganz praktische Gründe: Es gibt kein Bauprojekt, für das die Halle mit ihren speziellen Dimensionen erneut hätte verwendet werden können.

Aufräumarbeiten sind abgeschlossen

Nachfolgend wurden in acht Wochen die Stahlträger von speziellen Baggern mit Hydraulikscheren zerkleinert. Eine semi-mobile Schrottschere schnitt alle Teile in Stücke von rund einem Meter Länge. Der Stahl wurde in Mulden gesammelt und bei Spezialunternehmen rezykliert.

Danach begann der Abbruch der Fundamente der Aushubhalle, später der Bohrpfähle bis auf zwei Meter unter zukünftiges Gelände. Ende 2017 erinnert nur noch die 200 Meter lange und 12 Meter hohe Westmauer aus Beton daran, dass hier im Jahre 2008 eine einzigartige Hallenkonstruktion errichtet worden ist.

Der Film von der Schnittsprengung der Struktur ist unter diesem Link abrufbar.

Galerie
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12-2018

Die Aushubhalle verschwindet wieder

Ein weiterer Meilenstein auf der Sondermülldeponie Bonfol: Am 25. August erfolgte unter grossen Sicherheitsvorkehrungen mittels gezielter Schnittsprengungen die Demontage der grossen Hallenbögen. Innert fünf Sekunden fiel die riesige Konstruktion kontrolliert zu Boden. Rund 130 geladene Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgten das Ereignis, das mit höchster Präzision durchgeführt wurde.

25. August, kurz nach 11 Uhr: Fünf lange Signaltöne künden die Sprengung an. Sprengmeister Walter Weber fragt über Funk nach, ob sein Team bereit sei. Dann betätigt er nochmals das Signalhorn. Drei kurze Töne. Dann der Countdown: 3, 2, 1, Zündung. Ein grosser Knall, Rauchwolken steigen an verschiedenen Stellen der riesigen Aushubhalle auf. Die erste Serie von Schnittsprengungen kappt die Zugbänder, mit denen die Hallenbögen unter dem Dach zusammengehalten werden. Den Bruchteil einer Sekunde später folgt eine zweite Serie von Sprengungen und durchtrennt die Stahlseile, an denen die Hallendecke an den Bögen aufgehängt ist. Die Hallenbögen kommen in Bewegung und drücken die Ostwand nach aussen, die Bögen öffnen sich an den dafür vorgesehenen Stellen und fallen kontrolliert zu Boden. Es ertönt ein langes Hornsignal. Entwarnung. Die Sprengung ist vorbei. Mitarbeiter der Sprengfirma kontrollieren, dass keine Gefahr mehr besteht.

Zuschauer hochzufrieden

Hinter der Schutzwand aus Holz und Plexiglas in gut 100 Meter Entfernung applaudieren die 130 geladenen Gäste und Medienvertreter. Sie hatten einen direkten Blick auf die Sprengung und auf Live-Bilder von Kameras aus verschiedenen Positionen. Nun gehen sie vorsichtig an das Stahlskelett heran, um sich einen Eindruck zu machen. Beim folgenden Apéro äussern sich viele beeindruckt und zufrieden, direkt dabeigewesen zu sein.

Viele Menschen aus der Umgebung verfolgen dieses Ereignis ausserhalb des gesperrten Sicherheitsradius‘ am CISA Technopark, wo die bci Betriebs-AG eine Direktübertragung auf einen Grossbildschirm organisiert hat. Besitzer Marcel Pheulpin hat einen Platz vorbereitet sowie Tische und Verpflegungsmöglichkeiten organisiert. Hier sehen rund 150 Leute, wie die Bögen um 11:07 Uhr hinter den Bäumen zusammensacken, sowie später die verschiedenen Filmaufnahmen von der Sprengung. Auch die Primarschüler aus Bonfol haben an diesem Vormittag die Schulbank verlassen, um die Sprengung mit grossen Augen zu verfolgen.

Erfolgreiche Schnittsprengung

Walter Weber, Sprengmeister der GU SprengTechnik AG, ist mit dem Ergebnis sehr zufrieden: „Unser Ziel war eine sichere Demontage, bei der sich die verschiedenen Elemente der Hallenbögen aufteilen und anschliessend möglichst geordnet zu Boden fallen. Das ist uns gelungen.“ Zum Erfolg beigetragen hat die sogenannte Schnittsprengung, die in der Schweiz zum ersten Mal bei einem Gebäude dieser Dimensionen angewendet wurde: 2‘200 Tonnen Stahlstruktur von 150 Metern Breite, 122,5 Metern Länge und der Spitze der Bögen auf 47 Metern Höhe.

Im Vorfeld schwächten Industriekletterer die Struktur gezielt an wichtigen Stellen, indem sie einzelne Muttern lösten. Anschliessend platzierten die Sprengspezialisten an den strategisch wichtigen Punkten der Hallenkonstruktion 47 Sprengladungen mit insgesamt nur rund 20 Kilogramm Sprengstoff. Durch die Explosion entsteht ein sehr hoher Druck und eine grosse Hitze, welche den Kupfermantel der Sprengladung mit grosser Geschwindigkeit und einer Temperatur von ca. 4‘500 Grad Celsius auf die zu schneidenden Stahlträger schleudert. Dieses Kupferplasma schnitt in Millisekunden den gehärteten Stahl entzwei.

Bei einer Sprengung denkt man in der Regel an Zerstörung und Chaos. Walter Weber stellt richtig: „Bei einer Schnittsprengung überlassen wir nichts dem Zufall. Deshalb benötigen wir rund sechs Wochen Vorbereitungszeit. Die Zuschauer sind dann erstaunt, mit welcher Präzision ein riesiges Gebäude auf die gewünschte Weise zusammenfällt.“

Die sichere Rückbauvariante

Mit der Schnittsprengung hat man sich laut Urs Haller, Projektleiter beim Groupement DIB, für die effizienteste und sicherste Methode entschieden. „Die gewählte Sprengmethode hat den Vorteil, dass nach der Sprengung weniger verspannte Teile am Boden liegen. Das bedeutet einen grossen Sicherheitsgewinn für die anschliessenden Zerkleinerungsarbeiten des Stahls.“ Schon in der Planungsphase wurde klar, dass die Sprengvariante hinsichtlich der Zugänglichkeit wesentliche Vorteile mit sich bringt. Ein geordneter Rückbau wäre mit grösseren Risiken für die ausführenden Arbeiter verbunden gewesen. Ausserdem gab es noch ganz praktische Gründe: Es gibt kein Bauprojekt, für das die Halle mit ihren speziellen Dimensionen erneut hätte verwendet werden können.

Aufräumarbeiten sind abgeschlossen

Nachfolgend wurden in acht Wochen die Stahlträger von speziellen Baggern mit Hydraulikscheren zerkleinert. Eine semi-mobile Schrottschere schnitt alle Teile in Stücke von rund einem Meter Länge. Der Stahl wurde in Mulden gesammelt und bei Spezialunternehmen rezykliert.

Danach begann der Abbruch der Fundamente der Aushubhalle, später der Bohrpfähle bis auf zwei Meter unter zukünftiges Gelände. Ende 2017 erinnert nur noch die 200 Meter lange und 12 Meter hohe Westmauer aus Beton daran, dass hier im Jahre 2008 eine einzigartige Hallenkonstruktion errichtet worden ist.

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