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11-2016

Arbeiterschutz: «Ich habe noch nie einen so hohen Sicherheitsstandard erlebt.»

Während des Abfallaushubs war die Firma Chiresa AG für die Vorbereitungshalle zuständig: Im Auftrag von HIM übernahm die Firma die analytische Kontrolle und Vorbereitung der Abfälle sowie die Verladung in Transportcontainer. Viele Mitarbeiter arbeiteten im Schwarzbereich. Ein riskanter Job? Ein Gespräch mit Geschäftsleiterin Ursula Kaiser und Theo Rüd, Laborleiter und Sicherheitsbeauftragter der Chiresa.

Die Firma Chiresa beschäftigte in Bonfol täglich bis zu 20 Mitarbeitende. Diese arbeiteten zu einem grossen Teil im Schwarzbereich. Wie konnten Sie die Sicherheit der Mitarbeitenden gewährleisten?

Ursula Kaiser: Wir haben lange vor Beginn des Aushubs ein Arbeitsschutzkonzept erarbeitet und dieses dann im Rahmen von Schulungen umgesetzt. Während des Aushubs arbeiteten die Mitarbeiter im Schwarzbereich immer unter Vollschutz und die Baggerfahrer in Überdruckkabinen.

Wie sah dieses Arbeitsschutzkonzept aus?

Rüd: Wir haben fünf verschiedene Schutzstufen für die Sondermülldeponie Bonfol definiert. Für die Arbeit draussen galt beispielsweise die Schutzstufe 1. Dafür genügte die übliche Arbeitsbekleidung mit Sicherheitsschuhen. Für die Arbeiten im Schwarzbereich galt die höchste Stufe, Schutzstufe 5. Dabei trugen die Mitarbeitenden eine Vollmaske für den Atemschutz und Schutzanzüge. Deren Öffnungen waren abgeklebt, der Anzug stand unter leichtem Überdruck. So konnte keine Luft von aussen eindringen.

Wie haben Sie das Arbeitsschutzkonzept umgesetzt?

Kaiser: Wir haben jeden Mitarbeiter während 14 Tagen minutiös geschult, bis jeder Handgriff sass. In meiner dreissigjährigen Laufbahn habe ich noch nie einen so hohen Sicherheitsstandard erlebt wie hier in Bonfol.
Rüd: Ein wichtiger Teil der Schulung war das richtige An- und Ausziehen der Schutzkleidung. Im Arbeitsalltag hilft immer der Gerätewart, um die Verschleppung von Schadstoffen aus dem Schwarzbereich nach aussen zu verhindern. Wir haben jedes Jahr drei bis vier Schulungen durchgeführt. Dabei ging es auch um die korrekte Reinigung der Container sowie umd die sichere Rettung aus dem Schwarzbereich.

Wie haben die Mitarbeiter diese Schulungen aufgenommen?

Rüd: Zu Beginn war die Aufmerksamkeit gross. Mit der Zeit kam eine Routine rein. Dann bestand für uns die Herausforderung, die Mitarbeiter immer wieder für die Risiken zu sensibilisieren, damit sie nicht nachlässig werden.
Kaiser: Die Mitarbeiter haben schnell gemerkt, dass ihre Sicherheit oberste Priorität hat. Wir mussten ihr Sicherheitsbewusstsein schärfen, wollten aber das Thema mit Vernunft rüberbringen, um keine unnötigen Ängste zu erzeugen.

Trotz umfangreicher Schulungen – gab es keine Zwischenfälle?

Rüd: Es gab ein paar wenige Fälle, bei denen der Schutzanzug einriss, zum Beispiel wenn ein Mitarbeiter an einem Gegenstand hängen geblieben war. In einem Fall verletzte sich dabei ein Mitarbeiter leicht. Gemäss arbeitsmedizinischen Untersuchungen führte dies aber zu keiner gesundheitlichen Gefährdung des Betroffenen. Die Einsatzzeiten im Schwarzbereich waren klar begrenzt, was auch die ihre Exposition reduziert.

Wie liefen denn die Untersuchungen der Mitarbeiter ab?

Rüd: Ein Arbeitsmediziner hat rund alle zwei Monate alle Mitarbeitenden untersucht, die regelmässig oder ab und zu im Schwarzbereich arbeiten. Dazu gehörten auch ein Blut- und Urintest. Am gleichen Tag hat auch die Arbeitshygienikerin ihre Messungen durchgeführt.

Hat der Arzt auch mal kritische Werte gemessen?

Kaiser: Nein. Wir konnten keine Kontaminationen bei den Mitarbeitern aufgrund der Arbeit im Schwarzbereich feststellen. Hingegen registrierten wir schon früh, dass die private Lebensweise der Mitarbeiter die Gesundheit stärker beeinflusste als die Arbeit im Schwarzbereich. Etwa wenn Mitarbeiter rauchen oder häufig Fast Food essen, sieht man das an den Messwerten.

Wie geht es Ihren Mitarbeitern heute?

Kaiser: Unseren Mitarbeitern geht es gut. Die arbeitsmedizinischen Messungen haben bestätigt, dass die Mitarbeiter sehr gut geschützt waren. Für mich ist das logisch: Ich kenne viele Entsorgungsbetriebe in der Schweiz, in Deutschland und in Frankreich. Was wir hier in Bonfol an Sicherheitsmassnahmen umgesetzt haben, war eine Stufe höher als sonst üblich.


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» Die Wiederaufforstung hat bereits begonnen
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11-2016

Arbeiterschutz: «Ich habe noch nie einen so hohen Sicherheitsstandard erlebt.»

Während des Abfallaushubs war die Firma Chiresa AG für die Vorbereitungshalle zuständig: Im Auftrag von HIM übernahm die Firma die analytische Kontrolle und Vorbereitung der Abfälle sowie die Verladung in Transportcontainer. Viele Mitarbeiter arbeiteten im Schwarzbereich. Ein riskanter Job? Ein Gespräch mit Geschäftsleiterin Ursula Kaiser und Theo Rüd, Laborleiter und Sicherheitsbeauftragter der Chiresa.

Die Firma Chiresa beschäftigte in Bonfol täglich bis zu 20 Mitarbeitende. Diese arbeiteten zu einem grossen Teil im Schwarzbereich. Wie konnten Sie die Sicherheit der Mitarbeitenden gewährleisten?

Ursula Kaiser: Wir haben lange vor Beginn des Aushubs ein Arbeitsschutzkonzept erarbeitet und dieses dann im Rahmen von Schulungen umgesetzt. Während des Aushubs arbeiteten die Mitarbeiter im Schwarzbereich immer unter Vollschutz und die Baggerfahrer in Überdruckkabinen.

Wie sah dieses Arbeitsschutzkonzept aus?

Rüd: Wir haben fünf verschiedene Schutzstufen für die Sondermülldeponie Bonfol definiert. Für die Arbeit draussen galt beispielsweise die Schutzstufe 1. Dafür genügte die übliche Arbeitsbekleidung mit Sicherheitsschuhen. Für die Arbeiten im Schwarzbereich galt die höchste Stufe, Schutzstufe 5. Dabei trugen die Mitarbeitenden eine Vollmaske für den Atemschutz und Schutzanzüge. Deren Öffnungen waren abgeklebt, der Anzug stand unter leichtem Überdruck. So konnte keine Luft von aussen eindringen.

Wie haben Sie das Arbeitsschutzkonzept umgesetzt?

Kaiser: Wir haben jeden Mitarbeiter während 14 Tagen minutiös geschult, bis jeder Handgriff sass. In meiner dreissigjährigen Laufbahn habe ich noch nie einen so hohen Sicherheitsstandard erlebt wie hier in Bonfol.
Rüd: Ein wichtiger Teil der Schulung war das richtige An- und Ausziehen der Schutzkleidung. Im Arbeitsalltag hilft immer der Gerätewart, um die Verschleppung von Schadstoffen aus dem Schwarzbereich nach aussen zu verhindern. Wir haben jedes Jahr drei bis vier Schulungen durchgeführt. Dabei ging es auch um die korrekte Reinigung der Container sowie umd die sichere Rettung aus dem Schwarzbereich.

Wie haben die Mitarbeiter diese Schulungen aufgenommen?

Rüd: Zu Beginn war die Aufmerksamkeit gross. Mit der Zeit kam eine Routine rein. Dann bestand für uns die Herausforderung, die Mitarbeiter immer wieder für die Risiken zu sensibilisieren, damit sie nicht nachlässig werden.
Kaiser: Die Mitarbeiter haben schnell gemerkt, dass ihre Sicherheit oberste Priorität hat. Wir mussten ihr Sicherheitsbewusstsein schärfen, wollten aber das Thema mit Vernunft rüberbringen, um keine unnötigen Ängste zu erzeugen.

Trotz umfangreicher Schulungen – gab es keine Zwischenfälle?

Rüd: Es gab ein paar wenige Fälle, bei denen der Schutzanzug einriss, zum Beispiel wenn ein Mitarbeiter an einem Gegenstand hängen geblieben war. In einem Fall verletzte sich dabei ein Mitarbeiter leicht. Gemäss arbeitsmedizinischen Untersuchungen führte dies aber zu keiner gesundheitlichen Gefährdung des Betroffenen. Die Einsatzzeiten im Schwarzbereich waren klar begrenzt, was auch die ihre Exposition reduziert.

Wie liefen denn die Untersuchungen der Mitarbeiter ab?

Rüd: Ein Arbeitsmediziner hat rund alle zwei Monate alle Mitarbeitenden untersucht, die regelmässig oder ab und zu im Schwarzbereich arbeiten. Dazu gehörten auch ein Blut- und Urintest. Am gleichen Tag hat auch die Arbeitshygienikerin ihre Messungen durchgeführt.

Hat der Arzt auch mal kritische Werte gemessen?

Kaiser: Nein. Wir konnten keine Kontaminationen bei den Mitarbeitern aufgrund der Arbeit im Schwarzbereich feststellen. Hingegen registrierten wir schon früh, dass die private Lebensweise der Mitarbeiter die Gesundheit stärker beeinflusste als die Arbeit im Schwarzbereich. Etwa wenn Mitarbeiter rauchen oder häufig Fast Food essen, sieht man das an den Messwerten.

Wie geht es Ihren Mitarbeitern heute?

Kaiser: Unseren Mitarbeitern geht es gut. Die arbeitsmedizinischen Messungen haben bestätigt, dass die Mitarbeiter sehr gut geschützt waren. Für mich ist das logisch: Ich kenne viele Entsorgungsbetriebe in der Schweiz, in Deutschland und in Frankreich. Was wir hier in Bonfol an Sicherheitsmassnahmen umgesetzt haben, war eine Stufe höher als sonst üblich.




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