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09.02.2011 - Wiederaufnahme der Sanierung im Frühjahr geplant – neue Massnahmen vorgestellt


Die bci Betriebs-AG plant, im Frühjahr 2011 die Sanierung der Sondermüll¬deponie Bonfol fortzusetzen. Hierfür hat sie heute an einer Medienkonferenz Massnahmen vorgestellt, die eine sichere Wiederaufnahme der Sanierungsarbeiten gewährleisten. Mittels zusätzlicher chemischer Analysen und einer erweiterten Vorbereitung der Abfälle soll das Explosionsrisiko reduziert werden; weitere technische und organisatorische Massnahmen werden die Auswirkungen einer möglichen Explosion begrenzen.


An der heutigen Medienkonferenz in Bonfol haben Michael Fischer, Geschäftsführer bci Betriebs-AG, und Rémi Luttenbacher, Gesamtprojektleiter bci Betriebs-AG, im Beisein von Jacques Gerber, Leiter des jurassischen Umweltamts ENV, die zusätzlichen Massnahmen für eine sichere Wiederaufnahme der Sanierungsarbeiten vorgestellt. Diese von der bci Betriebs-AG ausgearbeiteten Massnahmen sollen sowohl das Explosionsrisiko verringern, als auch die Auswirkungen einer möglichen Explosion begrenzen. „Unser Ziel ist es, mit diesen Massnahmen für allen Etappen der Sanierung ein optimales Sicherheitsniveau zu gewährleisten – vom Aushub über die Vorbereitung, den Transport und die Entsorgung der Abfälle“, erklärte Michael Fischer. „Geplant ist, nach Umsetzung dieser Massnahmen den Abfallaushub im Frühjahr 2011 mit einer Pilotphase wieder zu starten.“

Während die bci Betriebs-AG, ihre Sanierungspartner und unabhängige Sicherheitsexperten die Massnahmen evaluiert haben, wurden die Aufsichtsbehörden des Kantons Jura regelmässig informiert und konsultiert. Dadurch konnten sie die gewonnenen Erkenntnisse und vorgeschlagenen Massnahmen bereits in einem frühen Stadium beurteilen und ihre Anregungen einbringen. Vor Genehmigung der Wiederaufnahme der Sanierungsarbeiten werden die Aufsichtsbehörden die aktualisierten Risikoanalysen und weitere technische Dokumente prüfen sowie die Anlagen abnehmen.

Erkenntnisse der Untersuchungen

Seit der lokalen Explosion vom 7. Juli 2010 ruhen die Sanierungsarbeiten. Das Forensische Institut Zürich hat in seinem Untersuchungsbericht eine Mischung aus Chloraten und brennbaren Substanzen als wahrscheinlichste Ursache der Explosion benannt, die durch Schlag oder Reibung mit einer Baggerschaufel ausgelöst wurde. Gemäss Recherchen der bci Betriebs-AG gilt es als möglich, dass kleine Mengen von Chloraten aus Laboratorien oder Pilotanlagen der Basler Chemischen Industrie auf der Deponie Bonfol abgelagert wurden. Deshalb ist nicht auszuschliessen, dass weitere kleinere Ansammlungen von Chloraten im Deponiekörper verteilt sind. Nach übereinstimmender Meinung der Experten ist es jedoch sehr schwierig, diese im Deponiekörper aufzuspüren und zur gesonderten Behandlung zu isolieren.

Präventive Massnahmen

In einem ersten Schritt sollen präventive Massnahmen das Explosionsrisiko verringern: Zu diesem Zweck werden Analysen auf Chlorate oder Substanzen mit ähnlichen Eigenschaften durchgeführt. Sind erhöhte Konzentrationen nachweisbar, können die auszuhebenden Abfälle durch Zugabe von Wasser „phlegmatisiert“ werden, mit dem Ziel, ihre Schlag- und Reibempfindlichkeit zu verringern.

Chlorate und andere Stoffe, die in geschlossenen Gebinden in der Deponie liegen, können jedoch von diesen Analysen nicht erfasst werden. Deshalb ist zusätzlich vorgesehen, die Abfälle in der Aushubhalle in einen Shredder, also ein Zerkleinerungsgerät, zu geben, das Klumpen und Gebinde zerschneidet. „Bei diesem Vorgehen wird die Menge an zusammenhaftendem, potentiell gefährlichem Material verringert und damit eine eventuelle Reaktion bei der weiteren Vorbereitung der Abfälle begrenzt“, erläutert Rémi Luttenbacher. „Zusätzlich kann nach weiteren Analysen das so vorbereitete Abfallmaterial falls nötig ebenfalls phlegmatisiert werden.“ Weil auch das Zerkleinern der Abfälle selbst allenfalls eine Reaktion auslösen könnte, werden rund um den Shredder weitreichende Sicherungsvorkehrungen installiert. Bezüglich der Vorbereitung, dem Transport und der Entsorgung der Abfälle prüft derzeit ein international anerkanntes Fachinstitut die nachfolgenden Arbeitsschritte.

Massnahmen zum Schutz von Mensch und Umwelt

Da nach Meinung der Fachleute trotz dieser präventiven Massnahmen eine Explosion während der Sanierungsarbeiten in Bonfol nicht auszuschliessen ist, werden zusätzlich Schutzmassnahmen ergriffen, um die Auswirkungen einer allfälligen Explosion zu begrenzen.

Weil in Bonfol überwiegend Chemieabfälle eingelagert wurden, hat die bci Betriebs-AG im Sanierungskonzept einen Abbau mittels einem von der geschützten Leitwarte aus ferngesteuerten Kran-Greifer-System vorgesehen. Die Abfälle werden auch weiterhin mit dieser Methode ausgehoben. In Zukunft werden Baumaschinen, die in der Aushubhalle für Arbeiten mit Abfällen eingesetzt werden, mit Fernsteuerungen ausgerüstet und ebenfalls von der Leitwarte aus bedient. Sowohl die Kabinen der Baufahrzeuge in der Vorbereitungshalle, als auch die Fenster der Leitwarte werden mit Panzerglas verstärkt. Organisatorische Massnahmen ergänzen die technischen Vorkehrungen.

Die bei einer allfälligen Explosion im Shredder entstehende Druckwelle wird mit einer Ableitungshaube in die Aushubhalle abgeleitet. Mit ihrem Volumen von 180‘000 Kubikmetern bietet diese bereits viel Raum, um den entstehenden Überdruck aufzufangen.

Auf Empfehlung der Explosionsschutzexperten sorgen in der Aushubhalle zusätzlich spezielle Druckentlastungseinrichtungen dafür, dass die Gebäudehülle und die tragende Konstruktion vor erheblichen Schäden geschützt werden. Nach dem Abebben einer eventuellen Druckwelle kann die Halle rasch wieder geschlossen und so eine länger andauernde Emission in die Umwelt vermieden werden.

Wiederaufnahme des Aushubs im Frühjahr 2011

Die vorgestellten Massnahmen wurden von den Behörden des Kantons Jura grundsätzlich gutgeheissen. Die bci Betriebs-AG sowie die Sanierungspartner haben einen Teil der für die sichere Wiederaufnahme der Arbeiten notwendigen Gerätschaften schon bestellt, da zum Teil Lieferzeiten von mehreren Wochen bestehen. Die Wiederaufnahme der Sanierungsarbeiten bedarf der Genehmigung durch die Behörden. Die Behörden des Kantons werden die aktualisierten Risikoanalysen und weitere technische Dokumente prüfen sowie die Installationen abnehmen. In einer Pilotphase werden im Frühjahr alle neuen Massnahmen sowie die angepassten Arbeitsschritte ausführlich getestet und wieder Abfälle ausgehoben.


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Weitere Informationen sowie Fotos erhalten Sie bei
bci Betriebs-AG • Bernhard Scharvogel • Leiter Kommunikation
T + 41 61 685 15 06 • F + 41 61 636 60 95 • bernhard.scharvogel@bcibag.ch


Erläuterung Grafik: Arbeitsschritte bei der Sanierung

1. Der Aushub der Abfälle findet weiterhin gemäss ursprünglichem Sanierungskonzept mit dem Kran-Greifer statt, der von der geschützten Leitwarte aus ferngesteuert wird. Der Kran-Greifer legt die ausgehobenen Abfälle neu in einer Stahlwanne ab.
2. Der ferngesteuerte Bagger nimmt das ausgehobene Material dort auf und legt es auf ein Abschüttblech am Shredder.
3. Von dort werden die Abfälle chargenweise dem Shredder zugeführt. Der Shredder zerkleinert Abfallklumpen und Gebinde. Sollte es dabei zu einer Explosion kommen, wird die Druckwelle mit einer Ableitungshaube in die Weite der Aushubhalle abgeleitet. Zusätzliche Schutzvorrichtungen sind installiert.
4. Der zerkleinerte Abfall wird wie bisher von der Lore zur Vorbereitungshalle transportiert und in die Annahmebunker abgekippt.
5. Zusätzlich zu den bisherigen Analysen wird das Aushubmaterial auf Chlorate und Substanzen mit ähnlichen Eigenschaften getestet. Bei erhöhten Konzentrationen, die auf derartige Ansammlungen hinweisen können, werden die Abfälle durch Zugabe von Wasser phlegmatisiert, das heisst die Schlag- und Reibempfindlichkeit wird verringert.

Die bci Betriebs-AG ist für die Planung und Umsetzung der definitiven Sanierung der Sondermülldeponie Bonfol verantwortlich. Die bci Betriebs-AG handelt im Auftrag der Unternehmen der Basler Chemischen Industrie (BCI).

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